Aachener Brunnen – „Türelüre-Lißche“

Tuereluere-Lissche-Brunnen in Aachen
Türelüre-Lißche-Brunnen kurz nach seiner Errichtung 1967

In der kurzen Klappergasse befindet sich seit 1967 (auf einem kleinen Platz) ein aparter Altstadt-Brunnen, der drei Schlingel und ein kleines Mädchen (Lißche) zeigt. Anwohner spendeten ihn. Die frechen Burschen umzingeln ein Mädchen, so dass sie (in der Mitte hockend) gezwungenermaßen zum Brunnen wird.

Bezüglich der Namensgebung „Klappergasse“ finden sich zwei Deutungen: Auf eine deutet ein Relief auf der gleichen Straßenseite hin, das die Stadt Maastricht stiftete:

Kaiser Karl entschied, dass alle Bischöfe der Domweihe beizuwohnen hätten. Die Maastrichter Bischöfe Gondulf und Monulf folgen diesem Aufruf zunächst nicht. Sie waren verstorben und machten sich (trotz ihrer klappernden Gebeine) verspätet auf dem Weg zum Aachener Dom. Die zweite Variante ist weniger schaurig. Sie ist ein Indiz für das Klappern der benachbarten Brudermühle, die hier im Mittelalter vom Paubach angetrieben wurde.

Gondulf und Monulf
Zu Lebzeiten hätten Gondulf und Monulf nicht zu träumen gewagt, in welcher Weise Aachener ihrer heute gedenken.

Beim Übersprung des Paubachs soll der Graf von Jülich mit seinem Pferd zu Fall gekommen sein. Er versuchte die Stadt im Jahr 1278 mit rund 350 Rittern einzunehmen. Ob tatsächlich ein wehrhafter Schmied Graf Wilhelm IV. von Jülich erschlug ist umstritten (Burg Wilhelmstein wurde von ihm an der Wurmgrenze des Bistums Jülich errichtet). Andere Quellen berichten von einem (weniger heroisch wirkenden) Metzgergesellen. Drei Söhne des Grafen fanden bei dem vereitelten Raubüberfall ebenfalls den Tod.

Der Graf hatte die Vogteirechte in der Stadt Aachen inne, was für die wehrhaften Bürger die Zahlung immenser Entschädigungssummen zur Folge hatte. Unweit des „Türelüre-Lißchen-Brunnens“ befand sich u. a. deshalb jahrhundertelang ein Sühnemal.

Aachener Paubach an der Rennbahn
Hinweis auf den Verlauf der Paurinne an der Rennbahn

Auf den Verlauf (der künstlich geleiteten Paubach-Rinne) wird heute durch beschriftete Deckplatten im Bürgersteig hingewiesen. Vom Fischmarkt aus gesehen sind sie in westlicher Richtung zu entdecken.

Das Quellwasser des Paubachs floss noch im 19ten Jahrhundert (oberirdisch) zum Fischmarkt. In Körben befanden sich dort im Paubach lebende Fische, die von Fischhändlern angeboten wurden. An der Außenmauer der Taufkapelle (linker Hand hinter dem Fischpüddelchen) zeugen heute Messerschleifspuren vom regen Fischhandel an diesem Ort.

Foto: Privatarchiv Dr. Paul Naefe, 1967

Fotos: Jorg Mühlenberg

 

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